LichtBild                                                1. - 15. März 2020

Martin Denker | Alex Grein | Regine Schumann | Angelika J. Trojnarski

 

„Lolita, vergiss Orangen und Datteln, der Mensch lebt nicht von Brot allein.“

 

Mit ihrem andere Blick durch bzw. mit der Fotolinse hinterfragt Alex Grein ihre Umgebung – untersucht und dokumentiert sie, beschreibt sie neu. Alex Greins gleichnamiger Arbeit zu entnehmen – die Orange. Sie soll uns als Vorwort für die Ausstellung LichtBild dienen.

 

Die Buchrücken beschreiben einen Satz und werden gleichsam zu einer graphischen Rhythmik – einer Struktur, die das Buch aus seinem ursprünglichen Inhalt enthebt und in einen neuen Kontext überführt. Neue Blickwinkel schaffen – ein immer Wiederkehrendes. Die Düsseldorfer Künstlerin, die bei Andreas Gursky studierte, schafft Perspektivwechsel. So fotografiert sie Miniaturobjekte auf der Oberfläche ihres IPhones ab, auf dessen Screen ein Bild eines Zimmers aufleuchtet. Die Objekte scheinen so in einem suggerierten Raum zu schweben. Gestochen scharf verweilen sie, freien ohne jeglichen Bezug. Feine Schlieren, flirrende Farben, körnige Kanten – die Oberfläche des Handy Screens, durch Fingerabdrücke bearbeitet, erhält ihm fotografischen Bild eine eigene Oberflächenstruktur im Detail. Im Eingriff in die architektonische Rhythmik des Raumes, im Aufgreifen von Ornamentik und Dekor entstanden die jüngsten Arbeiten, die eigens für die Räume der Orangerie entwickelt wurden. Eine Wand vor einer Wand - ein Versperren des Blicks – ein Neubeschreiben des architektonischen Gefüges. Alex Grein greift mittels ihrer Kamera in den Ausstellungsort ein. Die starre Ornamentik der Orangerie in ihrer massigen Materialität überträgt sie auf die zweidimensionale Fläche und positioniert sie gleichsam neu.

 

Fluoreszenz, ein Phänomen, welches in der Natur beispielsweise bei Mineralien oder Tieren auftritt, beschreibt die spontane Emission von Licht kurz nach der Anregung eines Materials. Regine Schumans Medium ist das Licht – es modelliert, verändert und umfängt ihre Skulpturen. Ihre farbigen Acrylglaskörper erfahren, angeregt durch die gegebenen Lichtverhältnisse, eine konkrete Präsenz. Im Zusammentreffen verschieden Farbflächen verschwimmen die Grenzen, überlagern sich die Zustände und bilden sich neue Erfahrungsräume. Das fluoreszierende Material verstärkt den ausgeübten Einfluss des Lichtes. Durchdrungen von Farbe strahlen die Körper in ihre Umgebung aus. Schumans Skulpturen werden somit zu Leuchtobjekten, die mittels ihrer Strahlkraft das „Raumklima“ beeinflussen.

 

Spricht man in den Anfängen der Fotografie von Lichtmalerei oder wie in dieser Ausstellung angeregt, von Lichtbildern, trifft diese Beschreibung auch auf die Arbeiten von Angelika J. Trojnarski zu – jedoch ganz analog, ohne fotografische Apparatur. Fasziniert von Naturschauspielen wie Polarlichtern, Supernovä oder Wetterleuchten ist das Sujet Licht fest in ihrem Werk verankert. Vielmehr, die Sonne ist aktiver Initiator ihrer Arbeiten auf Papier. Equinox ist ein „Work in Progress“ – das Licht schreibt sich im Laufe der Ausstellung in das Werk ein, bleicht das Papier und hebt so am Ende einen abgedeckten Bereich dunkler hervor. Im Titel verweist Trojnarski auf die aktuelle Sternenkonstellation der immer näher rückenden Tag-Nacht-Gleiche am 21. März hin, welche motivisch ebenfalls im Werk eingeschrieben ist. Mit Chemikalien bearbeitet sie die farbigen Papiere, schafft spontane Farbverläufe und malerische Strukturen die zwischen Mirko- und Makroaufnahmen, zwischen nah und fern stehen. Saturnringe, Schallwellen, Zellbewegung oder Sonnenstürme – Angelika Trojnarskis Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle des aktiven Sehens. Sie heben hervor und hinterfragen doch alles.

 

„Instabilität ist der Punkt der höchsten Sensibilität.“ Martin Denker stellt sich in seinen Arbeiten dem Chaos. Weiche Linien ziehen sich schwungvoll über die Leinwand, ungeordnet und doch harmonisch. In der Unberechenbarkeit der Bewegung eines Tripendulum, besser bekannt als Chaospendel, hält er die Bewegung mittels angebrachter Leuchtdioden fest. Das Licht wird zum Bleistift, zum Pinsel, welches mittels einer fotografischen Aufnahme als unvorhersehbares Moment auf der Leinwand festgehalten wird. Dieses Moment ist Platzhalter für das Ungleichgewicht, ein nervöses System im Blick auf die moderne Welt. Mittels des Apparates bündelt Denker die Informationen in der „Raum durch Zeit differiert“ und schafft so einen übergeordneten Dialog und ein Sinnbild für seine Auseinandersetzung mit der Hinterfragung des Zeitgeschehens. So versteht er die Welt wie folgt: „Der vernetzte Mensch, der gewissermaßen mit ALLEM synchron im Dialog und in Verbindung steht, erfährt die Welt nicht mehr linear, sondern chaotisch. (...)Unsere Wahrnehmung entspricht (also) der des Pendels.“

 

Die Ausstellung LichtBild soll frei von vorgefestigten Denkstrukturen Überlegungen zum Sujet und Medium Licht anregen und in die unterschiedlichen Ansätze künstlerischer Positionen einführen.

 

© Images: Martin Denker

2. Benrather Rundgang                sICHTWEISEN                                         1. - 8. Dezember 2019

Bilder der Ausstellungseröffnung am 1. Dezember 2019

 

 

 

 

 

 

Seit 1965 zeigt der Benrather Kulturkreis zwei Mal jährlich kritische und herausragende formalästhetische Kunstpositionen in den barocken Räumen der Orangerie Schloss Benrath. Die als Einzel- oder Gruppenausstellungen konzipierten Präsentationen werden über die Grenzen Düsseldorfs hinaus wahrgenommen und geben Einblick in die aktuelle Arbeit renommierter zeitgenössischer Künstler.

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