Seit 1965 zeigt der Benrather Kulturkreis zwei Mal jährlich kritische und herausragende formalästhetische Kunstpositionen in den barocken Räumen der Orangerie Schloss Benrath. Die als Einzel- oder Gruppenausstellungen konzipierten Präsentationen werden über die Grenzen Düsseldorfs hinaus wahrgenommen und geben Einblick in die aktuelle Arbeit renommierter zeitgenössischer Künstler.

Aktuell

Carolin Eidner, Horizon after D (.Dracula)

27. Mai bis 10. Juni 2018 in der Orangerie, Schloss Benrath, täglich von 11-17 Uhr

 

Für den Benrather Kulturkreis konzipiert Carolin Eidner (*1984, Berlin) eine komplexe Installation aus verschiedenen Werkgruppen mit dem Titel „Horizon after D (.dracula)“. In der Begegnung ihrer Arbeiten mit den prunkvollen Räumen der Orangerie des Schlosses Benrath entstehen spannungsvolle Momente der Annäherung und Dissonanz. Eidner studierte bei Rosemarie Trockel in Dusseldorf und bei Erwin Wurm in Wien. Sie hatte unter anderen Ausstellungen in der Langen Foundation in Neuss und der artothek. Raum für junge Kunst in Köln und gewann im vergangenen Jahr den Miami Beach NADA Award.

 

Eidners vielfältige Arbeitsweise zeichnet sich in ihrer inhaltlichen Auseinandersetzung in Verbindung mit unterschiedlichsten Werkstoffen aus. Dabei bildet der Ausstellungstitel – ebenso wie ihre Werktitel – eine eigenständige und zugleich verweisende Ausdrucksform. Die poetisch, philosophischen Textstucke transportieren narrative Momente und greifen existentielle Themen auf. Weder Dracula noch Landschaftsmalerei ist zu sehen – Horizon after D (.dracula) konstruiert vielmehr tiefgreifende Querverweise. Dracula wird für Eidner zum metaphysischen Gleichnis für das Bestreben die Dunkelheit zu überwinden.


In den Räumen der Orangerie entwickelt Eidner ein Konzept, welches den Blick der Besucher lenkt, führt, irritiert und fasziniert. So bietet der weiße Rahmen den Einstieg, wie ein Portal, das den Raum kanalisiert. Im Durchblick und die gesamte Weite des Raumes neubeschreibend erblickt man die Seidenarbeit Party Delay (no reimbursement authorized). Das rhizomartige Geflecht der Tanzenden auf Seide gemalt bildet eine Referenz zu den Deckengemälden der Orangerie. Gleichzeitig steht die Arbeit in ihrer Leichtigkeit und Materialität den industriell hergestellten Glasarbeiten am Boden gegenüber.


Die Symmetrie der Räume aufgreifend und spiegelnd hängt The Old Wound (2011) im nächsten Raum. Opake Farbflecken in Cyan, Magenta und Yellow (CMY), ebenfalls auf Seide, verdichten sich zu einem vital vibrierenden Teppich. Eine Aufschichtung grauer Glasplatten durchbricht den Stoff auf dem Boden – schattiert die fließende Seide. In der Wiederholung der Elemente konstruiert Eidner eine raumbezogene Installation. Ihren Bodenskulpturen aus farbigen Glaskeramikplatten und den Seidenarbeiten werden zudem Objekte aus pigmentiertem Gips gegenüber gestellt. Ihre heterogene Materialität – keine Malerei auf Gips – erzielt Eidner durch das mosaikartige Ausgipsen separater Felder mit eingefärbter Gipsmasse und dessen abschließendes Abschleifen. In diesen Skulpturen die Räumlichkeit suggerierend, setzt sich Eidner mit existentiellen Themen in sprachlich-poetischer Form auseinander. Indem sie die Textfragmente zum Motiv wählt, erkundet Eidner die bildnerische Qualität von Sprache und erzeugt eine Form von Abstraktion zwischen Bild- und Bedeutungsebene.

 

Kuratiert von Leonie Runte, Vorstand Benrather Kulturkreis e.V., Bereich bildende Kunst

Alle Bilder Johannes Benzulla

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