WEIHNACHTSTREFFEN MIT ...

HEINRICH HEINE

 

KARIN FÜLLNER

 

Schon vor 200 Jahren hat der junge Heinrich Heine das Weihnachtsfest als großen Kaufrausch erlebt. Über den Berliner Weihnachtsmarkt schreibt er: Auf dem Schloßplatze stehen eine Menge hölzerner Buden mit Putz-, Haushaltung- und Spielsachen; und die beweg-lichen Berlinerinnen flattern, wie Schmetterlinge, von Laden zu Laden, und kaufen, und schwatzen, und äugeln. Ähnlich beobachtet er in Hamburg, daß groß und klein herumläuft nach den Buden um Weihnachtsgeschenke einzukaufen.

Wo werde ich den jungen Dichter zu Weihnachten treffen können? Vielleicht in einem der von ihm geliebten Kaffeehäuser? Im Grunde, sagt er mir dort beim gemeinsamen Kaffeetrinken, ist es hübsch daß die Hamburger schon ½ Jahr im Voraus dran denken wie sie sich zu Weihnacht beschenken wollen. Vom weihnachtlichen Konsumrausch kommen wir zu den existenziellen Fragen unserer Zeit: Wir sprechen über unsere aktuelle Angst, die Angst vor Einsamkeit, die Angst vor Krankheit, die Angst vor dem Tod, dem unseren und dem Tod derer, die uns lieb sind. Heine zitiert dazu sein frühes Gedicht:

 

Wenn die Kinder sind im Dunkeln,

Wird beklommen ihr Gemüth,

Und um ihre Angst zu bannen,

Singen sie ein lautes Lied.

 

Ich, ein tolles Kind, ich singe

Jetzo in der Dunkelheit;

Klingt das Lied auch nicht ergötzlich,

Hat’s mich doch von Angst befreit.

 

Ja, sage ich, das befreiende Gefühl, gegen Angst anzusingen, kenne ich sehr gut. Und Heine antwortet mir, er wolle mit seiner Dichtung ein neues Lied, ein besseres Lied singen, mit ihrer Schönheit könne uns Literatur betören und wachtrommeln. Das Auf-schreiben der Ängste helfe, die Geister zu vertreiben, die des Nachts im Hirn den bunten Umzug halten. Literatur, so sind wir uns einig, vermag die Ängste zu benennen und ihnen damit den Schrecken zu nehmen. Auch Du, sagt Heine beim Abschied, sollst Dich über meine Knickrigkeit nicht beklagen können, da ich just nicht bey Casse bin und Dir auch kein ganz ordinäres Spielzeug kaufen will, so will ich Dir etwas ganz apartes zum Weihnacht schenken, nemlich das Versprechen: daß ich mich vor der Hand noch nicht todtschießen will, ist doch das Leben der Güter höchstes. Und ich erhebe mich und schwebe weihnachtlich berauscht über der kleinen Erde und den kleinen Gedanken der Menschen.

 

Der Himmel schenke Ihnen, so schreibt mir Heine nach unserem Gespräch mit einem Gruß an den ganzen Benrather Kulturkreis, eine heitere Weihnacht.

Ihr freundschaftlich ergebener

Heinrich Heine

 

Düsseldorf, im Dezember 2021

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