NEUER FRÜHLING 2021

KARIN FÜLLNER EMPHIEHLT

 

 

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen,
Da ist in meinem Herzen
Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen,
Da hab ich ihr gestanden
Mein Sehnen und Verlangen.

 

(Heinrich Heine, aus: Buch der Lieder, Lyrisches Intermezzo)

 

 

Dieses kleine Heine-Gedicht ist mir so sehr vertraut, weil ich schon unzählige Male vielen Menschen mit seiner ersten Verszeile einen „wunderschönen Monat Mai“ gewünscht habe, fast als wär’s ein Text von mir. Ich liebe dieses Gedicht, weil es so unglaublich schlicht ist. Einfach und dennoch kunstvoll parallelisiert es Natur und Mensch im Wonnemonat Mai und verspricht ein neues Leben. Die Euphorie hat dennoch einen Beiklang von Melancholie, erzählt das Gedicht seine kleine Geschichte doch in der Vergangenheitsform. Wir wissen nicht, ob „Sehnen und Verlangen“ erfüllt worden sind. Alles bleibt offen. Wie so oft bei Heine, steht die Zukunft noch an, wir dürfen hoffen. Das Schönste an diesem Mai-Gedicht ist, dass Robert Schumann es als Eingangslied seiner „Dichterliebe“ wundervoll vertont hat und diese Musik wird Heines vor genau 200 Jahren entstandenen Text immer weiter begleiten.

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